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Toro!Toro! Michael Morpurgo:
Toro!Toro!

Dressler, 2002.
128 Seiten, EUR 9,90 (ab 12 J.)

Als Antonito das erste Mal einen Stierkampf erlebt, ist er sechs Jahre alt. Mit Entsetzen muss er feststellen, dass es sich dabei nicht um einen spielerischen Tanz handelt, sondern um grausame Tierquälerei. In diesem Moment beschließt er, seinen geliebten jungen Stier Paco, den er selbst mit der Flasche aufgezogen hat, unter allen Umständen vor diesem Schicksal zu bewahren und mit ihm davonzulaufen. Dass er dazu die ganze Herde seines Vaters freilassen muss, erlebt er noch als Großvater als das Schlimmste, was er jemals getan hat. Doch während er mit Paco in den Bergen übernachtet, wird sein Heimatdorf Sauceda von Francos Soldaten angegriffen und völlig zerstört. Es gibt keine Überlebenden. Antonito wird von seinem Onkel gefunden, trifft seine Schwester wieder, die damals ausgeschickt worden war ihn zu suchen, und kommt mit ihr bei der Großmutter unter. Er ist überzeugt, dass das "schwarze Phantom", von dem immer wieder erzählt wird, kein anderer als Paco ist. Antonito trägt schwer daran, dass er sein Leben dem Umstand zu verdanken hat, dass er ein Unrecht begangen hat. Gleichzeitig ist es aber auch seine große Liebe zu Paco, die ihn handeln lässt und die Verbundenheit zwischen ihm und dem Stier, die ihm nicht nur einmal das Leben rettet. Auch wenn Morpurgos Erzählung gut ausgeht, sind die Bilder von der Zerstörung Saucedas und der Flucht doch nicht ganz ohne. Ob es den Lesern, die nach Ansicht des Verlags ab zehn Jahre als sein sollen, genauso geht wie Antonitos Enkel, dem die Geschichte im Buch erzählt wird? Er stürzt sich angsterfüllt auf seine Mutter und fürchtet, dass sie sterben oder dass es Krieg geben könnte. Deshalb würde ich das Buch frühestens ab zwölf Jahren empfehlen. Den Älteren kann es eindrucksvoll zeigen, wie "im Menschen die Fähigkeit steckt, Gutes zu tun, die genauso stark oder noch stärker ist als die Fähigkeit, Böses zu tun."

© Ulrike Schmoller
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