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Michael Gerhard Bauer:
Nennt mich nicht Ismael.

Hanser, 2008.
ISBN: 978-3-446-23037-8
300 Seiten, EUR 12,90 (ab 11 J.)

Wenn man gemobbt wird, fühlt man sich wie ein Kaninchen in der Falle. Es scheint keinen Ausweg zu geben, das Herz klopft, der andere ist definitv der Stärkere und jeder Versuch, sich zu wehren, wird sofort ins Lächerliche gezogen und macht alles nur noch schlimmer. Also bleibt nur: sich unsichtbar zu machen, dem Mobber und seinen Anhängern nicht auffallen und falls sie es doch auf einen abgesehen haben: totstellen, ganz fest die Augen zumachen und die Gemeinheiten an sich ablaufen lassen, damit der Angriff schnell vorübergeht. Das war auch die Taktik von Ismael, mit der er sich zum Opfer von Barry Bagsley machte, der sich mit Vorliebe über seinen Namen lustig machte bis aus Piss-mael schlicht Stinki wurde. Doch Barry hat einen wunden Punkt: die Macht der Sprache. Seine erste Schlappe fährt er ein, als er sich auf eine Wette mit der neuen Lehrerin Miss Tarango einlässt. Und dann betritt James Scobie die Klasse, dem Ismael keine fünf Minuten gibt und der Barry doch allein durch seine Wortgefechte in Grund und Boden redet. James gründet einen Debattierclub, dem noch der überaus phlegmatische Bill Kingsley, der Eigenbrötler Ignatius Prindabel und Orazio Zorzotto beitreten, er es eigentlich nur auf Mädchen abgesehen hat. Ismael läßt sich nur als Vertretung breitschlagen, da er nichts mehr fürchtet, als vor vielen Menschen zu sprechen. Doch dann muss er im Wettbwerb einspringen und vergeigt alles, was umso schlimmer ist, da Kelly Faulkner im Publikum sitzt. In der Endrunde ist schließlich sogar Scobie nicht dabei und sie wagen es trotzdem, es bietet sich hier für Ismael sogar die einmalige Chance, sich an Barry Bagsley zu rächen. Warum er seinen Triumph nicht bis zum letzten auskostet, wie es mit Kelly weitergeht und warum Ismael am Ende seinen Namen mag, liest sich amüsant und es ist einfach ermutigend zu sehen, wie ein Haufen skurriler Verlierer sich durch zahlreiche Missgeschicke manövriert und doch den Sieg davonträgt. Die Botschaft an die Mobbingopfer der Welt ist klar und deutlich: wehrt Euch! Tretet euren Peinigern so gegenüber wie Scobie, der vor nichts mehr Angst hat, seitdem ihm ein Tumor aus dem Gehirn operiert wurde. Yawp!


© by Ulrike Schmoller
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