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Betreutes Sterben

Cornelia Schmitz:
Betreutes Sterben.

Edition Balance, 2017.
ISBN: 978-3-86739-117-7
200 Seiten, EUR 15.--

Eli kennt sich aus auf der „Geschützten“ und kennt die kleinen Tricks, mit denen man dort überleben kann, etwa wie man die Schwesternschülerin zum Ausgang bewegt oder die Medikamente nicht schlucken muss. Karin und Mehmet hatten mit dem Überleben weniger Glück. Sie sind offensichtlich nach der Einnahme von Lantatrin CetaMX plötzlich verstorben. Dass die beiden etwas ganz anderes, nämlich ein noch nicht zugelassenes Medikament während einer unangemeldeten Pharmastudie bekommen haben, reißt die übrigen Patienten aus ihren Selbstgesprächen. Eli, Odin, der Kaiser von Italien und der Burnout-geplagte Journalist Martin Regener heften sich, statt „zur Ruhe zu kommen“ an die Fersen der Pfleger und Ärzte und decken dabei immer mehr Ungereimtheiten auf. Als Regener im Wachzimmer fixiert wird, klingeln alle Alarmglocken…

Neben der spannenden Recherche bekommt der Leser einiges mit, was sonst hinter den verschlossenen Türen verborgen bleibt. Da ist die Rede von der Krankheitseinsicht, ohne die es keine Verlegung gibt, von Zwangsbehandlung und Isolierung, von Fixierung und Sedierung, von Betreuungsverfahren und natürlich von Psychopharmaka. Über Eli bekommt der Leser etwas von den Schicksalen der Patienten und ihren Abstürzen mit, wobei ihre Besonderheiten immer normaler werden. Die Autorin kennt die Psychiatrie auch aus eigener Erfahrung und schreibt so launig, dass man gleich noch mehr Psychiatriekrimis lesen möchte. Zum Glück gibt es eine Fortsetzung mit Eli, die zwei Jahre später spielt: „Dir werd ich helfen.“

© by Ulrike Schmoller
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